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Reben, die es leicht haben, machen selten grosse Weine. Auf einem kargen Hang findet die Rebe wenig Wasser und wenig Nährstoffe. Sie wächst langsamer, trägt weniger Trauben und steckt ihre Kraft in kleinere, konzentriertere Beeren. Genau daraus entstehen Weine mit Aroma, Struktur und Frische. Das klingt paradox, ist aber einer der ältesten Grundsätze im Weinbau.
Die Erkenntnis ist gut zweitausend Jahre alt. Vergil schrieb in seinen «Georgica», entstanden zwischen 37 und 29 v. Chr., den Satz «Bacchus amat colles», Bacchus liebt die Hügel. Wer heute durch die Rebberge Italiens oder Zyperns geht, sieht warum. Die guten Lagen liegen fast nie unten im Tal, sondern am Hang.
Der Talboden ist tiefgründig, feucht und nährstoffreich. Dort wächst die Rebe schnell, bildet viel Laub und viele grosse, wasserreiche Beeren. Am Hang ist der Boden dünn und steinig, das Wasser fliesst ab. Die Rebe muss sich anstrengen. Und genau diese Begrenzung ist es, die Qualität erzeugt. Mehr dazu, wie Boden und Klima zusammenspielen, findest du in unserem Beitrag Was ist Terroir?.

Solche Böden findest du überall dort, wo grosse Weine entstehen. Auf Zypern sind es die Kalk- und Lavaböden, am Ätna die vulkanischen Hänge aus Lava und Asche.
Ein Weinberg ist weit mehr als eine Ansammlung von Rebstöcken. Er ist der Ursprung eines Weins, in dem Klima, Boden, Landschaft und Handwerk zusammenkommen. Und keine Lage gleicht der anderen.
Was für den Hang gilt, gilt in der Höhe noch stärker. Im High-Altitude-Weinbau geben die Reben deutlich weniger Ertrag, dafür entwickeln die Trauben eine intensivere Aromatik und eine erfrischende Säure. Der Grund liegt im Unterschied zwischen Tag und Nacht. Tagsüber reift die Traube in der Sonne, nachts kühlt es stark ab, und die Säure bleibt erhalten. Es entstehen komplexe, charaktervolle Weine, die ihre Herkunft spiegeln.
Wer tiefer einsteigen will: Larissa und Christoph Ehrbar haben zusammen mit der Schweizer Weinautorin Chandra Kurt den Bildband «High-Altitude Vineyards» (Weber Verlag, 2026) herausgegeben, der Weingüter aus elf Ländern porträtiert, von Argentinien bis in die Alpen. Ein schönes Buch, wenn dich Rebberge in Extremlagen faszinieren.
Das beste Beispiel aus unserem Sortiment ist der Vamvakada von Tsiakkas, ein reinsortiger Maratheftiko von rund 70-jährigen, wurzelechten Rebstöcken auf etwa 1200 m ü. M. im Troodos-Gebirge, gewachsen auf den sandig-vulkanischen Böden des Troodos-Ophioliths. Costas Tsiakkas hat als Bergwinzer in Pelendri genau diese vergessenen Reben wieder zum Leben erweckt. Etwas tiefer, auf 900 m ü. M., steht der Alates von Vlassides, ein Xynisteri von 35-jährigen Reben. Und noch weiter hinauf geht es bei der Kyperounda Winery, der wir ein eigenes Porträt gewidmet haben.
Ein wichtiger Zusatz, den man selten liest: Der Satz vom Leiden gilt nur bis zu einem bestimmten Punkt. Wird der Trockenstress zu gross, schliesst die Rebe ihre Spaltöffnungen, die Photosynthese kommt zum Erliegen und die Reife stockt. Dann bleiben die Tannine grün und der Wein wird hart statt konzentriert. Die Kunst der Winzer:innen besteht darin, diesen schmalen Grat zu treffen. Genau deshalb ist Weinbau in Steillagen so aufwendig, und genau deshalb kostet ein Wein aus solchen Lagen mehr als einer aus dem Tal.
Spannend wird es dort, wo Winzer:innen die natürlichen Gegebenheiten nicht überdecken, sondern gezielt zur Geltung bringen. Im Rebberg entsteht nicht nur das Lesegut, sondern ein grosser Teil des späteren Weinstils. Vier Entscheidungen prägen ihn besonders, verteilt über das ganze Jahr:
Weinberge prägen das Landschaftsbild und erzählen von teils jahrhundertealten Bemühungen, die Rebe zu kultivieren. Mehrere dieser Reblandschaften stehen heute auf der UNESCO-Welterbeliste: das Lavaux am Genfersee, die Colline del Prosecco di Conegliano e Valdobbiadene (aufgenommen 2019), die Weinbaulandschaften des Piemonts rund um Langhe, Roero und Monferrato sowie die Climats im Burgund. Dazu kommen die Hänge des Ätna auf Sizilien, die Hochlagen Argentiniens und die kleinparzelligen, ökologisch vielfältigen Rebgebiete Zyperns.
Am eindrücklichsten erlebt man das zu Fuss. Wer einmal eine dieser Terrassenlandschaften erwandert hat, versteht schlagartig, wie viel Handarbeit in einer einzigen Flasche steckt. Maschinen kommen dort nicht hin.
| Wein | Lage | Warum die Lage zählt |
|---|---|---|
| Tsiakkas Vamvakada Maratheftiko | Troodos-Gebirge (Zypern), ca. 1200 m ü. M. | Rund 70-jährige, wurzelechte Reben auf sandig-vulkanischem Troodos-Ophiolith |
| Vlassides Alates | Zypern, 900 m ü. M. | 35-jährige Xynisteri-Reben in der Höhe, kühle Nächte erhalten die Säure |
| Sandro Fay Valtellina Superiore Valgella | Veltlin, Lombardei | Nebbiolo (hier Chiavennasca) auf Terrassen mit Trockenmauern, alles von Hand |
| Girolamo Russo Etna Rosso «'a Rina» | Hänge des Ätna, Sizilien | Nerello Mascalese auf vulkanischem Boden aus Lava und Asche |
| Maugeri Etna Bianco Superiore «Frontebosco» | Milo, Ostseite des Ätna, rund 700 m ü. M. | Einzellage auf vulkanischen, sandigen Böden, umgeben von Wildkräutern |

Wie stark eine einzelne Lage prägt, zeigt der Etna Bianco Superiore «Frontebosco» von Maugeri besonders schön. Frontebosco ist ein einzelner Weinberg in der Gemeinde Milo an der Ostseite des Vulkans, auf rund 700 m ü. M., auf vulkanischen und sandigen Böden, die reich an Mineralien sind. Höhe, Ostlage und ein Boden, der nichts geschenkt gibt: Im Glas wird daraus ein frischer Weisswein mit langem, mineralischem Abgang. Der Schwesterwein Contrada Volpare stammt aus demselben Gebiet und zeigt, wie unterschiedlich zwei Parzellen desselben Guts schmecken können.
Weitere Weine von der Insel findest du in unserer Kollektion Zypriotische Weine.
Ein Weinberg erzählt immer eine Geschichte. Von einem Ort, von Jahreszeiten und Wetter, von Rebsorten und von Generationen, die dort gearbeitet haben. Wer Wein nicht nur trinken, sondern verstehen möchte, löst den Blick darum gelegentlich vom Glas und richtet ihn dorthin, wo alles beginnt.
Und wenn du den Unterschied schmecken willst: Stell zwei Flaschen nebeneinander, einen Wein aus einer Höhen- oder Steillage und einen aus einer bequemen Lage im Flachen. Der Unterschied in Spannung und Säure ist oft verblüffend deutlich. Genau solche Vergleiche machen wir gerne mit dir in der Vinoteca am St. Johanns-Ring 106 in Basel. Degustationen auf Anfrage, schreib uns einfach an info@donativini.ch. Salute!