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Gradis'ciutta ist das Weingut von Robert Princic in San Floriano del Collio im Friaul, rund 35 Hektar gross und seit 2018 bio-zertifiziert. Die Reben stehen auf den typischen Ponca-Böden des Collio, ein zweites Gut liegt auf der slowenischen Seite der Grenze in Brda. Neu bei uns im Sortiment sind die Collio Malvasia 2025, der Collio Riserva Bianco 2019 und der Monsvini Rosso 2019.
Das Collio Goriziano ist ein Hügelgebiet im Nordosten Italiens, direkt an der Grenze zu Slowenien, und war die erste DOC-Zone der Region. Prägend ist der Boden: Ponca, ein Wechsel aus Mergel und Sandstein, der leicht verwittert und den Weinen ihre salzig-mineralische Art gibt. Dazu kommen milde Luft von der Adria und kühle Fallwinde aus den Julischen Alpen.
Gradis'ciuttas Lagen verteilen sich auf vier Gemeinden, San Floriano, Cormons, Mossa und Capriva, unter anderem in Bukova am Monte Calvario und in Ruttars bei Dolegna del Collio, auf 120–180 Metern über Meer. Das klingt nach wenig, macht in diesem Gelände aber den Unterschied. Warum Hanglage und Boden im Glas ankommen, erklären wir in Was ist Terroir? und Hanglagen im Weinbau.
Grossvater und Vater bewirtschafteten Reben und verkauften die Trauben. Robert Princic studierte in Conegliano Önologie und Weinbau und gründete 1997, mit gerade einmal 20 Jahren, das erste Weingut der Familie unter eigenem Namen. Aus wenigen Hektaren sind rund 35 geworden.
Die Umstellung auf Bio begann 2008. Die Zertifizierung kam erst 2018, nach zehn Jahren Konversion. Das ist ungewöhnlich lang, hat aber einen guten Grund: Im Collio fallen 1000–1400 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Feuchtigkeit bedeutet Pilzdruck, und Pilzdruck ohne die übliche Chemie zu beherrschen, braucht Zeit und Nerven.
Herzstück für Gäste ist der Borgo Gradis'ciutta, ein Gebäudekomplex aus dem 16. Jahrhundert mitten in den historischen Weinbergen, heute ein Agriturismo mit neun Zimmern und drei Apartments. Wer im Collio unterwegs ist, schläft dort ausgesprochen gut.
Die Grenze zwischen Italien und Slowenien verläuft mitten durch dieses Weinbaugebiet. Was auf der italienischen Seite Collio heisst, heisst auf der slowenischen Brda. Geologisch und klimatisch ist es dasselbe Gebiet, politisch sind es zwei Länder.
Das zieht sich bis in die Sprache. Der Boden heisst diesseits Ponca und jenseits Opoka, gemeint ist derselbe Mergel-Sandstein. Und was im Collio Ribolla Gialla heisst, heisst in Brda Rebula. Dieselbe autochthone Sorte, zwei Namen, eine Grenze dazwischen.
Robert Princic bewirtschaftet beide Seiten. Neben dem Stammsitz in Giasbana gehört ihm das Gut Sveti Nikolaj in Brda, mit den Lagen Neblo und Zali Breg, auf 50 bis 220 Metern über Meer. Er hat es ausdrücklich als Projekt über die Grenze hinweg angelegt: Für ihn liegt das Herz der Ribolla genau dort, wo die Sorte entstanden ist, in den Ponca-Hügeln, die sich über Collio, Brda und die Colli Orientali ziehen. Eine Landesgrenze ändert daran nichts.
Acht Weine, davon drei neu. Ein Roter, der Rest weiss.
→ Alle Weine von Gradis'ciutta im Shop
Der Collio Riserva Bianco DOC BIO 2019 ist der aufwendigste Weisse des Hauses. Ribolla Gialla, Malvasia Istriana und Friulano stehen 24 Stunden auf der Maische, vergären im Stahltank und reifen dort auf der Feinhefe. Danach geht der Wein ins Eichenfass, französisches und slawonisches Holz zu 10 Hektolitern, bis in den August des Erntejahres. Es folgt die Flaschenreife bis in den November des Folgejahres.
Rund zwei Jahre also, bevor die Flasche überhaupt verkauft werden darf. Man merkt es: Der Wein ist nicht laut, aber er hat Zug. Die 24 Stunden Kaltmazeration sind übrigens kein Zufall, sondern eine kurze Form des Schalenkontakts. Was länger auf der Maische passiert, erklären wir in Was ist Maischegärung?.
Aus Brda kommen demnächst zwei Weine zu uns, die beide von der Rebula leben, und zwar auf sehr unterschiedliche Art.
Nach Jahrzehnten als Importeur füllen wir zum ersten Mal einen Wein unter eigenem Namen ab. Er heisst Culaccino, ist ein Rebula 2022 von Sveti Nikolaj, aus den Lagen Neblo und Zali Breg. Kurze Maischestandzeit, neun Monate im grossen Holzfass, danach zwölf Monate Flaschenreife. Mittleres Strohgelb, würzig-blumig mit grünem Apfel und Vanilleschote, am Gaumen Zitrus und Mineralität, salzige Noten und ein Anklang von Teeblatt. 12.5% vol, 8–10 °C.
Culaccino ist das italienische Wort für den Abdruck, den ein Glas auf dem Tisch hinterlässt. Die Spur eines Moments, in dem man sitzen blieb. Passender geht es kaum.
Es ist eine erste Stückzahl, die wir importieren, danach folgen hoffentlich mehr. Sobald die Flaschen bei uns stehen, erzählen wir die ganze Geschichte in einem eigenen Beitrag: warum wir das machen, warum ausgerechnet diese Rebsorte und was hinter der Etikette steckt.
Derselbe Ausgangspunkt, ein völlig anderer Wein. Der Serendipità ist ebenfalls reine Rebula von Sveti Nikolaj, steht aber 20 Tage auf der Maische und vergärt im Holzfass. Damit ist er ein Orange Wine im Wortsinn: bernsteinfarben, mit Kamille, Zitronengras, Trockenfrüchten und einer Trüffelnote.
Und trotzdem schmeckt er nicht nach dem, was viele beim Stichwort Orange Wine erwarten. Kein wilder, sperriger Wein, der einen zum Kapitulieren zwingt, sondern einer, der die Struktur hat und sie trotzdem elegant trägt. Wir importieren ihn demnächst, und er wird für uns neben dem Culaccino der wichtigste Wein aus Brda.
Was 20 Tage auf der Schale mit einem Weisswein machen, liest du in Was ist Maischegärung?. Wenn du bei einem der beiden Weine Bescheid wissen willst, sobald sie da sind, schreib uns an info@donativini.ch.
Bei Gradis'ciutta waren wir schon 2022, und ein Bild von damals ist bei uns legendär: Thilo, wie er als Kleinkind im Weinkühler sass. Nachzulesen in unserem Abstecher nach Slowenien.
Diesen Sommer waren wir wieder dort, zwei Nächte im Agriturismo. Am Nachmittag hat uns Laura durch eine schöne Degustation der neuen Jahrgänge geführt, am Abend waren wir bei Robert und Federico zum Essen eingeladen. Federico gehört zum Team, ist für Robert aber fast wie ein Bruder. Mit am Tisch sass der italienische Regisseur Marco Tullio Giordana, der Land Rover mindestens so gern mag wie wir. Der ganze Abend steht in Teil 3 unserer dritten Weinreise. Davor waren wir in Prepotto bei Antico Broilo.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Betrieb | Az. Agr. Gradis'ciutta di Princic Robert, Giasbana 32/a, 34070 San Floriano del Collio (GO), Friaul-Julisch Venetien |
| Menschen | Robert Princic, ausgebildet in Conegliano, gründete den Betrieb 1997 mit 20 Jahren auf dem Weinland von Grossvater und Vater |
| Zweites Gut | Sveti Nikolaj in Brda, Slowenien, mit den Lagen Neblo und Zali Breg auf 50–220 m ü. M., auf Opoka- und Ponca-Böden |
| Lage | Collio Goriziano, Ponca-Böden. Reben in San Floriano, Cormons, Mossa und Capriva, unter anderem Bukova am Monte Calvario und Ruttars bei Dolegna del Collio, 120–180 m ü. M. |
| Rebfläche | Rund 35 Hektar |
| Anbau | Umstellung ab 2008, Bio-Zertifizierung 2018 nach zehn Jahren Konversion |
| Rebsorten | Ribolla Gialla, Malvasia Istriana, Friulano, Chardonnay, Pinot Grigio, Sauvignon Blanc, Riesling Renano, Merlot, Cabernet Franc |
| Für Gäste | Borgo Gradis'ciutta, ein Agriturismo aus dem 16. Jahrhundert mit neun Zimmern und drei Apartments |
| Bei Donati Vini | Malvasia, Riserva Bianco, Ribolla Gialla, Bràtinis, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Pinot Grigio und der Monsvini Rosso. Culaccino und Serendipità folgen |
Für den Einstieg die Collio Malvasia: autochthon, unkompliziert, und ein sehr guter aperitivo. Wer mehr will, nimmt den Riserva Bianco 2019 und gibt ihm Zeit im Glas. Und wenn du wissen willst, wie ein Roter aus dem Collio schmeckt, dann den Monsvini Rosso 2019.
Degustationen machen wir in der Vinoteca auf Anfrage. Schreib uns an info@donativini.ch. Mehr zu uns findest du auf der Team-Seite.
A presto e salute!
Marilen