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Die dritte Etappe unserer Weinreise führt uns ins Friaul, genauer in die Colli Orientali und ins Collio, an die Grenze zu Slowenien. Hier wachsen Rebsorten, die man nicht an jeder Ecke findet: Schioppettino, Refosco, Ribolla Gialla. Und hier passiert das, wofür wir diese Reisen lieben: Wein, Menschen, Begegnungen, die bleiben.
Wer die ersten beiden Etappen verpasst hat: Teil 1 führt von Scuol ins Trentino, Teil 2 durchs Veneto. Kleine Randnotiz zu Paul, unserem Land Rover: Bei der Panne im Trentino hat Mauro das Differenzial kurzerhand ausgebaut. Seither sind wir so unterwegs. Und Paul läuft.
Erste Station ist Antico Broilo in Prepotto, mitten in den Colli Orientali. Am Ortseingang steht sinngemäss «Land des Schioppettino», und genau darum geht es hier. Der Familienbetrieb der Durì bewirtschaftet rund sechs Hektar, bio-zertifiziert, und setzt konsequent auf autochthone Rebsorten.
Empfangen werden wir herzlich und sehr aufmerksam von Pietro, dem Sohn von Massimo. Während wir uns durch die Weine arbeiten, sind Pietro und Thilo längst ein eingespieltes Team. Sie spielen den ganzen Nachmittag, quer über das Weingut, irgendwann sogar in den leeren Tanks. Es ist ein herzlich-familiärer Betrieb, wie er im Buche steht, und genau das schmeckt man auch im Wein.
Der Schioppettino di Prepotto Riserva ist so ein Wein, den man nicht überall bekommt. Die Sorte war fast verschwunden und wurde in Prepotto gerettet. Sie riecht nach schwarzem Pfeffer, dunklen Beeren, mit dieser feinen, würzigen Art. Dazu der Refosco dal Peduncolo Rosso von über 50-jährigen Reben, kräftig und eigenständig.
In einem guten Jahr kommt Antico Broilo auf rund 25'000 Flaschen. Letztes Jahr waren es nur 17'000. Umso mehr freuen wir uns, dass wir welche von ihnen im Sortiment haben. Neu haben wir uns zusätzlich für seinen Friulano entschieden, den autochthonen Weissen des Friaul. Wir werden ihn bald importieren und anbieten können. Wenn du wissen willst, was autochthone Reben so besonders macht: Das erklären wir im Beitrag Was ist Terroir?.

Weiter geht es ins Collio, zu Gradis'ciutta von Robert Princic in San Floriano del Collio. Hier waren wir schon vor vier Jahren, und ein Bild von damals ist bei uns legendär: Thilo, wie er als Kleinkind im Weinkühler sass. So vergeht die Zeit.
Robert hat seinen Betrieb 1997 mit gerade einmal 20 Jahren gegründet, aus dem Weinland, das schon Grossvater und Vater bewirtschaftet hatten. Heute umfasst Gradis'ciutta rund 45 Hektar Reben, bio seit dem Jahrgang 2018. Das Herzstück für Gäste ist der Borgo Gradis'ciutta, ein Gebäudekomplex aus dem 16. Jahrhundert, mitten in den historischen Weinbergen, heute ein wunderschönes Agriturismo.
Wir gönnen uns zwei Nächte. Dusche, Klimaanlage, ein 180 cm breites Bett. Nach einer Woche im Land Rover fühlt sich das grad alles wie Luxus pur an.
Am ersten Abend lernen wir zwei Schwedinnen kennen, Hanna und Emma. Sie machen zusammen einen Road Trip, und wir verstehen uns vom ersten Moment an blendend. Thilo ist sofort eins mit den beiden.
Wir reden über Wein, über Beziehungen, über Feminismus in unseren beiden Ländern und über vieles mehr. Es ist einer dieser Abende, die man sich nicht planen kann und die genau deshalb so kostbar sind. Wir sind einfach nur dankbar für solche Begegnungen. Am nächsten Tag ziehen die beiden weiter Richtung Slowenien, und wir hoffen sehr, dass wir uns bald wiedersehen.

Wir schlafen wunderbar. Am nächsten Morgen gibt es Frühstück, dann ein kräftiges Gewitter, das so schnell wieder abzieht, wie es gekommen ist. Danach ist es, wie Thilo sagen würde, wieder «brätsch heiss».
Am Nachmittag macht Laura eine tolle Degustation mit uns und zeigt uns die neuen Jahrgänge. Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit auf dem Weingut. Vom Collio Chardonnay über den Collio Sauvignon Blanc bis zum Collio Bianco «Bràtinis», dem bekanntesten Verschnitt des Hauses. Und natürlich der Monsvini Rosso, benannt nach dem lateinischen «Mons Vini», dem Weinberg.
Am Abend sind wir bei Robert und Federico auf dem Weingut zum Essen eingeladen. Federico gehört zum Team, ist für Robert aber fast wie ein Bruder. Mit am Tisch: Marco Tullio Giordana, der italienische Regisseur, den man von Filmen wie «Die besten Jahre» (La meglio gioventù) oder «100 Schritte» (I cento passi) kennt. Er hat für seine Filme unter anderem in Cannes einen Preis fürs beste Drehbuch gewonnen und erzählt italienische Geschichte über mehrere Jahrzehnte hinweg. Und, das fast Wichtigste an diesem Abend: Auch er liebt Land Rover. Damit ist der Ton gesetzt, und es wird von der ersten Minute an ein rundum guter Abend. Wir verstehen uns blendend.

Wir schlafen noch eine Nacht im Agriturismo und fahren am nächsten Morgen weiter. Bevor wir losfahren, entdecken wir einen Liebesbrief von Hanna und Emma, mit einem Erinnerungsfoto von den beiden. Ach, einfach schön, so unterwegs zu sein.
Autochthone Reben bei Antico Broilo, zwei Nächte Luxus im Agriturismo von Gradis'ciutta, ein Abend mit zwei Schwedinnen und einem Regisseur, der Land Rover liebt. Das Friaul hat auf dieser Reise wieder alles gegeben.
Die Weine von Antico Broilo und Gradis'ciutta findest du bei uns im Shop. Und wenn du sie lieber im Glas kennenlernst: Schreib uns. Unsere kommenden Anlässe findest du unter Events und Degustationen.
Salute!
Marilen