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Die zweite Etappe unserer Weinreise bleibt im Veneto: von Matilde Poggi in Bardolino über die Valpolicella zu Familie Begali und weiter nach Soave zu Marta von Monte Tondo. Drei Betriebe, drei sehr unterschiedliche Handschriften, und ein Traktor, der Thilos Reise-Highlight wird.
Wenn du Etappe 1 verpasst hast: Die beginnt in Basel und endet mit einer Panne im Trentino, nachzulesen in Teil 1 von Scuol ins Trentino.
Entdeckt haben wir Le Fraghe vor ein paar Jahren an der Vinitaly in Verona. Seither führen wir ihre Weine. Auf dem Weingut selber sind wir zum ersten Mal, und das ist bei uns eher die Ausnahme.
Le Fraghe liegt in Cavaion Veronese, im Herzen des Bardolino, östlich des Gardasees und südlich des Monte Baldo. Der Name kommt aus dem lokalen Dialekt und bedeutet Erdbeeren, nach den wilden Erdbeeren, die hier wachsen. Empfangen werden wir von Uva, dem Hund. Uva heisst Traube. Auf einem Weingut ist das kein Zufall, sondern ein Programm.
Und was für ein Weingut. Wir kannten die Weine, aber nicht diesen Ort: die Moränenböden, die der Gletscher hier hinterlassen hat, die Brise, die vom Etschtal herunterkommt, der Blick zum Monte Baldo.
Matildes Geschichte ist eine, die wir gerne erzählen. Sie hat 1984 ihren ersten Jahrgang abgefüllt, mit 22 Jahren, als dritte von sechs Geschwistern. Damals war der Bardolino von Genossenschaften und Massenware bestimmt, und dass eine junge Frau hier ein eigenes, ernsthaftes Weingut aufbaut, war alles andere als selbstverständlich. Sie hat es trotzdem gemacht. Heute ist sie Präsidentin der FIVI, der italienischen Vereinigung unabhängiger Winzer:innen, und Vizepräsidentin des europäischen Pendants. Seit 2009 ist der Rebberg bio-zertifiziert, seit 2012 auch der Keller.
Ihr Ròdon Chiaretto di Bardolino hat bei der VINUM World of Rosé Gold geholt, mit 90 Punkten. Corvina und Rondinella, getrennt vinifiziert. Dazu kommt der Camporengo Garganega, ihr Weisser. Beide bio, beide auf ihre Art unkompliziert und trotzdem nie beliebig. Welche Rosés bei der VINUM World of Rosé sonst noch ausgezeichnet wurden, liest du in unserer News Vier von vier.
Wenn dich interessiert, warum Boden und Klima so viel ausmachen, wie man es hier auf den Moränenböden schmeckt: Das erklären wir im Beitrag Was ist Terroir?.
Von Bardolino sind es ein paar Kilometer in die Valpolicella. Bei Lorenzo Begali in San Pietro in Cariano kommen wir an, und Thilo hat innert Minuten das Wichtigste erledigt: Er darf Traktor fahren. Für ihn ist damit die ganze Reise gerechtfertigt. Wir Erwachsenen kommen danach dran.
Begali ist ein Familienbetrieb, wie er im Buch steht. Gegründet nach dem Zweiten Weltkrieg, geführt von Lorenzo mit seiner Frau Adriana, heute mit den Kindern Tiliana und Giordano im Betrieb. Rund zwölf Hektar, hauptsächlich autochthone Sorten: Corvina, Corvinone, Rondinella, Oseleta. Im Keller wird klassisch gearbeitet, man könnte sagen altmodisch, und das ist hier ein Kompliment.
Wir schauen uns den Keller an und degustieren uns durch. Vom Valpolicella Superiore Ripasso La Cengia über den Amarone della Valpolicella Classico bis zum Amarone Riserva Monte Ca'Bianca aus der Einzellage. Und natürlich der Tigiolo Rosso del Veneto, dieser eigenwillige Mix mit Bordeaux-Trauben, den wir schon auf unserer ersten Reise 2022 am Gardasee getrunken haben.
Wie aus getrockneten Trauben ein Amarone wird und was Appassimento genau bedeutet, erklären wir im Porträt Amarone von Lorenzo Begali: ein stiller Klassiker der Valpolicella.

Dritte Station im Veneto: Monte Tondo in Soave. Hier waren wir schon zweimal, 2022 und 2023, und langsam ist das eine kleine Tradition. Das Veneto liegt auf unseren Reisen einfach immer günstig, egal woher wir kommen und wohin wir wollen.
Marta ist eine wunderbare Gastgeberin. Wir verbringen einen Nachmittag am Pool und geniessen es sehr.
Dann springt Thilo ohne Vorwarnung ins Wasser, mir mitten ins Gesicht, und keine Sekunde später blutet meine Nase heftig. Eine Frau ist sofort zur Stelle und hilft mir. Zum Dank bringe ich ihr später ein Glas Wein, und schon sind wir im Gespräch und sitzen zusammen. Inger und Jürgen kommen aus Schweden und sind immer wieder bei Monte Tondo zu Gast. Dieses Mal geht es für sie weiter Richtung Kroatien. Inger ist leider schwer krank, sie hat einen aggressiven Krebs. Es sind Momente an diesem Nachmittag, die sehr nah gehen, und im selben Atemzug sind sie unfassbar schön. Thilo holt alles aus den beiden heraus, bringt sie zum Lachen, und wir sitzen da und feiern einfach das Leben, solange wir es haben. Solche Begegnungen sind der Grund, warum wir so reisen.
Die Degustation macht dieses Mal ihr Partner Kristof, und das macht er hervorragend. Der Soave Classico Casette Foscarino aus 90% Garganega und 10% Trebbiano di Soave wächst auf kalkhaltigem Boden vulkanischen Ursprungs, mit dieser ausgeprägten mineralischen Note. Mein Liebling, seit Jahren. Dazu die Garganega Frizzante, nach der Charmat-Methode im Autoklav vergoren, leicht und spritzig.
Mehr über die Familie Magnabosco und ihren Vulkanboden liest du im Porträt Monte Tondo: Soave vom Vulkanboden. Und wenn du wissen willst, warum die Frizzante anders prickelt als ein Trento DOC: Schaumwein im Vergleich: Metodo Classico und Charmat.

Was uns an dieser Etappe gefällt: Matilde, die seit vierzig Jahren gegen den Strom schwimmt. Begali, wo die Tradition in der zweiten und dritten Generation weiterläuft und Thilo Traktor fahren darf. Und Marta, bei der wir uns inzwischen wie zu Hause fühlen. Drei Handschriften, alle im selben Veneto.
Die Weine von allen dreien findest du bei uns im Shop. Und wenn du sie lieber im Glas kennenlernst: Schreib uns. Unsere kommenden Anlässe findest du unter Events und Degustationen.
Weiter geht unsere Reise ins Friaul, zu autochthonen Reben und unvergesslichen Begegnungen. Alles dazu in Teil 3 im Friaul.
Salute!
Marilen