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Unsere dritte Weinreise im Land Rover Paul startet am 12. Juli in Basel. Die erste Etappe führt uns über Scuol und Meran nach Bozen und weiter ins Trentino, zu zwei Familienbetrieben, die wir seit Jahren im Sortiment haben, und zu einer Panne, die uns gezeigt hat, was Freundschaft unter Winzer:innen wirklich bedeutet.
Mit dabei: Beat, Thilo und Paul, unser Land Rover. Und ein Sommer, der so heiss ist, dass die 12 Grad in Graubünden fast wie ein Betriebsunfall wirken.
Über die Nomady-App finden wir unseren ersten Stellplatz, einen Bauernhof im Unterengadin bei Scuol. Wir schlafen zwischen Geissen, Alpakas, Hühnern und Schweinen. Thilo ist im siebten Himmel, wir auch, wenn auch aus anderen Gründen.
Dann kommt der Abend. Zwölf Grad. In diesem Sommer, der uns seit Wochen mit Hitze überwältigt, wirkt das absurd. Wir kramen Pullis hervor, holen die Decken raus und sitzen da wie im Oktober. Unvorstellbar, aber wahr. Am nächsten Morgen scheint die Sonne, als wäre nichts gewesen.

Wir fahren weiter Richtung Süden, über den Vinschgau nach Meran. Mittagessen in der Sonne und prompt haben wir wieder die Sommer-Temperaturen. Und dann passiert, was manchmal passiert. Ich sehe ein Kleid im Schaufenster und finde die Boutique Kathinka - wissend, dass ich es kaufen "muss", probiere ich an, was ich gesehen habe, und zwei schicke Kleider später geht die Reise weiter. Beat ging dann mal mit dem Kleinen weiter. Und ich hatte meinen "Time of the life"-Moment.

Am Nachmittag erreichen wir Bozen. Bei Egger-Ramer waren wir gemeinsam das letzte Mal vor vier Jahren, und trotzdem fühlt es sich an, als wären wir letzte Woche hier gewesen. Alexandra und Peter Egger führen den Familienbetrieb in fünfter Generation, gegründet 1880, mitten in Bozen-Gries. Das ist die historische Heimat des Lagrein.
Wir dürfen mit Paul zwischen Äpfeln und Trauben schlafen. Wenn du dich fragst, wie das ist: sehr gut. Es ist immer wieder schön, bei ihnen zu sein. Das ist längst keine Geschäftsbeziehung mehr, das ist eine richtige Freundschaft.

Und dann die Neuigkeit, auf die sie zu Recht stolz sind: Ihr Lagrein Kretzer Gries Rosato hat bei der VINUM World of Rosé Gold geholt, mit 90 Punkten. Wir hatten den Wein schon vorher gern. Jetzt haben wir es schwarz auf weiss. Mehr dazu in unserer News Vier von vier: Unsere Rosés bei der VINUM World of Rosé ausgezeichnet.
Wer noch mehr von Alexandra und Peter probieren will: Der Lagrein Gries Tenuta Kristan Riserva aus der 1.5 Hektar grossen Lage Kristan ist ihr Prunkstück, und der Ottanta aus einer Einzellage in Bozen zeigt, was Lagrein kann, wenn man ihm Zeit lässt.

Am nächsten Tag geht es weiter ins Trentino. Wir lieben Trento DOC, den Bergschaumwein aus den Dolomiten, hergestellt nach der klassischen Flaschengärung. Warum uns diese Methode so fasziniert, erklären wir im Beitrag Schaumwein im Vergleich: Metodo Classico und Charmat.
Erster Halt: die Fondazione Edmund Mach in San Michele all'Adige. Diesen Trento DOC haben wir noch nicht im Sortiment. Wir sind für einen Kunden dort und klären ab, wie ein Import aussehen könnte.
Während wir das besprechen, zieht ein Sommergewitter auf. Wir machen Regentänze. Bei diesen Temperaturen ist jeder Tropfen ein Fest.

Weiter geht es zu Tenuta Maso Corno in Valbona di Ala, unserem Trento-DOC-Produzenten. Giulio Larcher hat 2006 rund um einen jahrhundertealten Maso an den Hängen der Lessinischen Berge angefangen, auf 500 Metern über dem Etschtal, gegenüber den Piccole Dolomiti. Dolomitisch-kalkhaltige Böden, wenig Humus, kühle Nächte.
Und dann erzählt er uns, dass er bei Mach in die Schule gegangen ist. Genau dort, wo wir zwei Stunden vorher waren. Manchmal ist Italien ein Dorf.
Wir geniessen eine wunderbare Degustation. Der Giulio Larcher Pas Dosé Trento DOC reift mindestens 30 Monate auf der Hefe, ohne Dosage, ohne malolaktische Gärung. Vertikal, salzig, mineralisch. Neu hat Giulio ausserdem eine alkoholfreie Linie dazugekauft, die unter einem eigenen Label läuft: Must & Co. So konnte auch Thilo an der Degustation mitmachen, und das fand er ziemlich grossartig. Wenn dich alkoholfreie Schaumweine interessieren, lies unser Wie entsteht alkoholfreier Schaumwein?.
Danach gehen wir gemeinsam in die Rebberge. Steil ist gar kein Ausdruck. Wir sind begeistert von seiner Arbeit, von der Sorgfalt, mit der hier gearbeitet wird. Am Ende des Nachmittags verabschieden wir uns, glücklich und voller Eindrücke.
Zehn Minuten später ist der Tag ein anderer.

Bei der einzigen Autobahnauffahrt weit und breit geht nichts mehr. Gar nichts. Paul steht, wir blockieren alles. Wer uns seit unserer ersten Reise 2022 folgt, ahnt schon, wohin das führt: Damals mussten wir auch abgeschleppt werden. Ein Flashback der unangenehmen Sorte.

Ich rufe Giulio an. Zehn Minuten später ist er bei uns. Nicht am Telefon, sondern vor Ort. Es hilft nichts, Paul muss abgeschleppt werden. Aber Giulio überzeugt den Abschleppdienst, uns ausnahmsweise direkt zum Techniker zu bringen statt auf den Hof. Dann ruft er seinen Freund Mauro an, der Mechaniker. Und Mauro legt für uns eine Nachtschicht ein.

Das ist es, was wir meinen, wenn wir sagen, dass wir unsere Produzent:innen persönlich kennen. Es geht nicht um Verkostungsnotizen. Es geht darum, dass jemand um 19 Uhr alles stehen lässt, weil du an einer Autobahnauffahrt im Trentino stehst.
Zu später Stunde kommen wir bei Matilde von Le Fraghe im Veneto an. Auch sie hat bei der VINUM World of Rosé Gold geholt, mit ihrem Ròdon Chiaretto di Bardolino, ebenfalls 90 Punkte. Zwei Gold-Winzer:innen an einem Tag, dazwischen eine Panne und eine Nachtschicht.

Aber das ist schon die nächste Etappe. Die erzählen wir dir in Teil 2 im Veneto.
Die Weine von Alexandra und Peter, von Giulio und von Matilde findest du alle bei uns im Shop. Und wenn du sie lieber im Glas als im Warenkorb kennenlernst: Schreib uns und komm auf eine Degustation in die Vinoteca. Unsere kommenden Anlässe findest du unter Events und Degustationen.
Etappe 2 folgt. Mit Matilde, mit dem Veneto und hoffentlich ohne Abschleppdienst.
Salute!
Marilen