Unsere dritte Weinreise: Teil 5 am Luganersee

von Marilen Schwald auf July 22, 2026

Die letzte Etappe unserer Weinreise ist keine Fahrt mehr, sondern ein Ankommen. Wir sind im Ferienhaus meiner Eltern am Luganersee, waschen die halbe Reise aus den Kleidern und richten uns für eine Woche ein. Und dann wird aus dem Ausruhen ein Abend, den wir so schnell nicht vergessen: eine Blinddegustation am See, mit zwei Gastro-Familien, die innert kürzester Zeit zu unseren Freunden wurden.

Wer die Etappen davor nachlesen will: Teil 1 von Scuol ins Trentino, Teil 2 im Veneto, Teil 3 im Friaul und Teil 4 am Gardasee.

Paul fährt heim, wir bleiben am See

Kaum sind wir angekommen, fährt Beat ein paar Stunden später wieder los. Paul muss zum Mechaniker, und zwar jetzt: Der geht bald selber in die Ferien, und wir wollen Anfang August nochmals mit Paul unterwegs sein. Diesmal dann doch lieber wieder mit Differenzial.

Thilo und ich bleiben am See. Wir waschen alles, räumen ein, richten uns für die Woche ein. Nach zwei Wochen im Land Rover ist eine Waschmaschine ein kleines Wunder. Am Abend ist Beat zurück, mit dem anderen Auto.

Und dann sitzen wir auf unserer Terrasse, und Angelo kommt vorbei. Er ist Kellner im Restaurant nebenan, welches heute geschlossen ist und so hat er frei. Wir reden lange, über alles Mögliche, und testen dabei unser Italienisch. Das funktioniert besser als erwartet, und wo es nicht reicht, hilft Angelo geduldig nach.

Eine Weinlieferung per Boot

Am nächsten Tag geniessen wir den See. Wir nehmen das Boot und fahren raus. Und weil Beat ohnehin in Basel war und wir eine Weinlieferung nach Magliaso haben, nehmen wir sie gleich mit. Mit dem Boot.

So liefern wir den Lagrein Kretzer Gries Rosato von Egger-Ramer über den Luganersee aus. Ein erstes Mal in der Donati-Geschichte. Wenn du dich fragst, warum ausgerechnet dieser Rosé: Er hat bei der VINUM World of Rosé Gold mit 90 Punkten geholt, nachzulesen in unserer News Vier von vier. Kein Wunder wird dieser bis nach Magliaso bestellt. ;)

Zwei Familienbetriebe, die wir wärmstens empfehlen

Am Abend sind wir eingeladen. Und zwar bei Menschen, die wir hier am See kennengelernt haben und die inzwischen zu unseren Freunden gehören.

Magali und Peter: Sie führen den Gasthof zum Schützen gemeinsam mit seiner Schwester in Aarau. Kennengelernt haben wir sie vor ein paar Monaten hier am See, und wir haben uns von der ersten Minute an prächtig verstanden. Von Beginn weg kennen wir auch die drei Kinder, die mit Thilo spielen, als wären wir schon immer befreundet.
Gina und Rocco: Sie führen die Osteria al Cantonaccio in Brusimpiano, zusammen mit ihren zwei erwachsenen Töchtern. Wir gehen dort seit Jahren essen. Es ist unser Lieblingsrestaurant hier am See. 

Bei Gina und Rocco kannten wir uns lange nur ein bisschen, so wie man sich als Stammgast eben kennt. Aber sie waren von Beginn weg so unkompliziert, wenn wir mit dem kleinen Thilo auswärts assen. Manchmal haben sie ihn kurzerhand zu sich genommen, damit Beat und ich in Ruhe essen konnten. Das werde ich nie vergessen!

Beide Betriebe empfehlen wir wärmstens. So herzlich, so offen, so sympathisch. Wir fühlen uns an beiden Orten enorm wohl und kommen immer wieder.

Mit dem Schiff zum Picknick nach Brusimpiano

Weil Magali und Peter schon länger gut mit Rocco und Gina befreundet sind, machen wir heute alle zusammen ab. Wir sind im Garten in Brusimpiano eingeladen, fahren mit dem Schiff hin und bringen ein Picknick mit.

Und weil wir alle Wein lieben, gibt es eine Blinddegustation. Jede Partei bringt drei bis vier Flaschen mit, wir degustieren und raten, was im Glas ist. Mit vier Gastronom:innen am Tisch ist das Essen sowieso hervorragend, wir werden richtig verwöhnt.

Unsere drei Flaschen kommen direkt von der Reise, beziehungsweise aus unserem Sortiment:

Trento DOC von Giulio Larcher: der Pas Dosé, den wir im Trentino direkt beim Winzer probiert haben. Mindestens 30 Monate auf der Hefe, ohne Dosage.
Friulano von Antico Broilo: der autochthone Weisse des Friaul, den wir vor wenigen Tagen in Prepotto degustiert haben. Wir importieren ihn demnächst.
Pecorino von Fontefico: der Pecorino d'Abruzzo Superiore «La Canaglia», bio aus den Abruzzen. Den habe ich bewusst von zu Hause mitgenommen, dazu gleich mehr.

Die andere Seite steht dem in nichts nach. Marta, eine der Töchter von Rocco und Gina, macht die Ausbildung zur Sommelière. Sie hat eine sehr gute Nase und wunderbare Weine mitgebracht. Auch Peter und Magali sind am WSET 3, resp. er bereits am Weinakademiker. Wir geniessen, lernen viel voneinander und haben es super lustig.

Warum ein Besuch in Aarau sich bald noch mehr lohnt

Kurz bevor wir unsere Reise gestartet haben, hatten wir noch eine Degustation in Aarau. Das Ergebnis: Bei Magali und Peter kommen bald drei unserer Weine auf die Karte.

Petritis von Kyperounda: ein Xynisteri aus Zypern, aus einer der höchstgelegenen Kellereien Europas.
Oroman von Vlassides: ein zypriotischer Roter, ebenfalls aus unserer Zypern-Kollektion.
Schioppettino di Prepotto Riserva: der gerettete Klassiker von Antico Broilo, den wir im Friaul gerade erst wieder degustiert haben.

Ein Besuch im Schützen lohnt sich also bald noch etwas mehr. Und darum hatte ich auch den Pecorino im Gepäck: Peter hatte nach eigener Aussage noch nie einen guten Pecorino getrunken. Jetzt findet er unseren top. Manchmal braucht es nur die richtige Flasche.

Übrigens an beiden Orten gibt es Zimmer. Am besten planst du deine Reise also so, dass du gleich noch eine Übernachtung im Schützen oder in der Osteria al Cantonaccio buchst – dann kannst du neben dem hervorragenden Essen auch die guten Weinkarten geniessen.

Bis spät in die Nacht, direkt am See

Die Kinder baden den ganzen Abend, im See und im Pool. Wir sitzen, essen, degustieren, reden und lachen bis spät in die Nacht. Direkt am Wasser.

Es ist einer dieser Abende, an denen alles zusammenpasst. So schön, dass wir diese Freundschaften schliessen konnten. Für die kommenden Tage machen wir gleich wieder ab, denn es ist für alle einfach ein super Match.

?Häufige Fragen zur Blinddegustation
Was ist eine Blinddegustation?
Bei einer Blinddegustation wird der Wein verkostet, ohne dass man das Etikett sieht. Die Flasche wird verdeckt oder umgeschenkt. So urteilst du nur nach Farbe, Duft und Geschmack, ohne dass Name, Region oder Preis dein Urteil beeinflussen.
Wie mache ich eine Blinddegustation zu Hause?
Am einfachsten: Jede Person bringt eine Flasche mit, alle Flaschen werden verpackt oder in Karaffen umgefüllt und durchnummeriert. Dann reihum degustieren, notieren und raten. Drei bis vier Weine pro Gruppe reichen völlig, mehr wird schnell unübersichtlich.
Was ist Pecorino für eine Rebsorte?
Pecorino ist eine autochthone Weissweinsorte aus Mittelitalien, vor allem aus den Abruzzen und den Marken. Sie war fast verschwunden und wurde ab den 1980er-Jahren wiederentdeckt. Typisch sind Struktur, Säure und eine würzig-kräutrige Art. Mit dem Käse gleichen Namens hat sie nichts zu tun.
Was ist Xynisteri?
Xynisteri ist die wichtigste autochthone Weissweinsorte Zyperns. Sie ergibt frische, feingliedrige Weissweine, besonders wenn sie in Höhenlagen wächst. Mehr dazu in unserer Kollektion zypriotischer Weine.
Kann ich diese Weine bei euch probieren?
Ja. In unserer Vinoteca am St. Johanns-Ring 106 in Basel machen wir Degustationen auf Anfrage. Schreib uns an info@donativini.ch, dann finden wir einen Termin.

Das Schönste am Reisen sind die Menschen

Diese Reise hat uns zu Winzer:innen geführt, die uns bei einer Panne gerettet haben, zu einem Regisseur, der Land Rover liebt, und zu einem Weingut, das in einer Nacht die halbe Ernte verloren hat. Und am Ende zu einem Abend am Luganersee, an dem zwei Gastro-Familien, unsere Weine und vier spielende Kinder zusammenkommen.

Die Weine aus diesem Beitrag findest du alle bei uns im Shop. Und wenn du sie lieber im Glas kennenlernst: Schreib uns und komm auf eine Degustation in die Vinoteca. Unsere kommenden Anlässe findest du unter Events und Degustationen.

Salute!

Marilen

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