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Die vierte Etappe unserer Weinreise führt uns vom Friaul zurück an den Gardasee, zu Montonale in der Lombardei. Es wird ein Besuch mit zwei Gesichtern: ein wunderschöner, unkomplizierter Abend am See, und eine Nacht, die uns vor Augen führt, wie hart der Klimawandel kleine Familienbetriebe trifft.
Wer die bisherigen Etappen nachlesen will: Teil 1 Scuol ins Trentino, Teil 2 Veneto, Teil 3 Friaul.
Bei Montonale in Desenzano del Garda werden wir von Claudio sehr freundlich empfangen. Das Weingut liegt am Südufer des Gardasees, im Herzen des Lugana-Gebiets. Die Familie Girelli führt es in vierter Generation, Claudio zusammen mit seinen Brüdern Roberto und Valentino. Der Name Montonale kommt vom kleinen Ort, in dem das Weingut zu Hause ist. Zum ersten Mal besucht haben wir die Familie übrigens auf unserer zweiten Reise in der Lombardei.
Wir probieren verschiedene Jahrgänge und sind begeistert, wie gut sich der Lugana über die Jahre entwickelt. Diesen Weisswein aus der autochthonen Turbiana, auch Trebbiano di Lugana genannt, kann man viel zu leicht unterschätzen. Bei Montonale zeigt er, was in ihm steckt: Struktur, Frische und die Fähigkeit, mit den Jahren zu reifen.
Zwei davon führen wir bei uns: den Lugana Montunal, benannt nach den Weinbergen rund um den Ort, und den Lugana Orestilla, den grossen Bruder mit mehr Tiefe und Komplexität. Wenn du wissen willst, warum Boden und Lage den Charakter eines Weins so prägen, lies unseren Beitrag Was ist Terroir?.

Claudio und seine Familie laden uns zum Abendessen ein. Wir gehen gemeinsam mit seiner Frau und den Kindern an den Gardasee, ins Lido. Es ist ein wunderschöner, unkomplizierter Abend. Die Kinder verstehen sich blendend, und wir geniessen mit Blick auf den See ein hervorragendes Essen. Der Gardasee hat diese Weite, dieses Licht: fast wie am Meer.
Danach gehen wir gemeinsam am See spazieren. Es zieht ein Wind auf, und wir reden darüber, ob vielleicht ein Gewitter kommt. Noch sieht es so aus, als würde es vorbeiziehen. Zurück beim Weingut sitzen wir noch kurz draussen bei Paul und schauen dem Wetterleuchten zu, immer noch recht überzeugt, dass es an uns vorbeigeht.
Dann beginnt es innert Minuten zu regnen. Wir machen uns bereit und ziehen in Paul. Kurz darauf gewittert und regnet es, wie verrückt. Hagel und alles. Sehr stark, ewig lang, heftig. Unglaublich.
Am nächsten Morgen müssen wir Paul komplett auseinandernehmen, weil alles nass geworden ist. Das ist im Vergleich harmlos und einigermassen schnell behoben. Denn was in dieser Nacht wirklich passiert ist, betrifft Montonale ungleich härter.
Claudio erzählt uns, dass Montonale in dieser Nacht rund 50% der Ernte verloren hat. Für einen Familienbetrieb ist das ein enormer Schlag. Und das Bitterste daran: Solche Hagelgewitter gab es früher etwa alle zwanzig Jahre. Heute, so seine Erfahrung, kommen sie alle zwei bis drei Jahre.
Der Klimawandel ist keine abstrakte Schlagzeile, wenn du morgens in einem zerschlagenen Rebberg stehst. Die Natur kann brutal sein, und gerade kleine, sorgfältig arbeitende Betriebe trifft es besonders hart. Das gehört zu diesen Reisen dazu: Wir sehen nicht nur die schönen Seiten, wir sehen auch, unter welchem Druck die Menschen arbeiten, deren Weine bei uns im Regal stehen.

Wir packen zusammen, wünschen Claudio von Herzen alles Gute und fahren weiter Richtung Lavena, ins Ferienhaus meiner Eltern. Wir kommen gut durch, kommen an und sind einfach nur glücklich, da zu sein. Wir waschen alles, machen sauber und lassen die letzten Tage sacken, all das, was wir in dieser kurzen Zeit erlebt haben.
Am Abend sind wir bei unseren Nachbarn und Freunden in der Osteria del Carde zum Essen. Danach fährt Beat mit Paul nach Basel, damit unser Land Rover endlich richtig repariert werden kann. Das Ziel: Am nächsten Tag ist er wieder zurück, und wir geniessen eine Woche gemeinsam am See.
Ein Abend am Lido, eine Hagelnacht, ein zerschlagener Rebberg und trotzdem so viel Herzlichkeit. Diese Etappe hat uns gezeigt, wie eng Freude und Sorge im Weinbau beieinanderliegen, und warum wir die Menschen hinter den Flaschen kennen wollen.
Den Lugana von Montonale findest du bei uns im Shop. Und wenn du ihn lieber im Glas kennenlernst: Schreib uns. Unsere kommenden Anlässe findest du unter Events und Degustationen.
Wie es am Luganersee weitergeht, mit einer Weinlieferung per Boot und einer Blinddegustation mit Freunden, liest du in Teil 5 am Luganersee.
Salute!
Marilen