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Anna Maria Abbona führt in Farigliano bei Dogliani im südlichen Piemont ein Familiengut von rund acht Hektar. Sie hat 1989 ihren Beruf als Grafikerin aufgegeben, um die Reben ihrer Familie vor dem Verkauf zu retten, und aus dem Dolcetto, der damals als einfacher Alltagswein galt, etwas gemacht, das vielen heute als Massstab gilt. Ihre Weine führen wir seit Jahren. Am Samstag, 19. September 2026, steht sie selbst bei uns in Basel.
Die Abbonas sind seit fünf Generationen in Farigliano verwurzelt. Urgrossvater Giuseppe arbeitete ab 1890 als Halbpächter, unter Grossvater Angelo wurde die Familie ab 1930 Kleingrundbesitzerin, Vater Giuseppe vergrösserte den Besitz ab den 1960er-Jahren. Ende der 1980er-Jahre wollte er verkaufen. Der Dolcetto brachte kaum etwas ein, und das Vertrauen in den italienischen Wein lag nach dem Methanolskandal von 1986 am Boden.
Anna Maria arbeitete damals als Grafikerin. Sie überredete ihren Vater, es sie versuchen zu lassen, gab 1989 ihren Beruf auf und übernahm die Reben gemeinsam mit ihrem Mann Franco Schellino, einem Bauernsohn und gelernten Baumeister, der die Keller wieder aufgebaut hat. Heute stehen mit den Söhnen Federico und Lorenzo bereits die nächsten in den Reihen.
Ihre Wette war simpel und für die damalige Zeit ziemlich unbequem: weniger trinken, dafür besser. Wo andere Menge machten, hat sie auf die alten Stöcke gesetzt, die Erträge heruntergefahren und dem Dolcetto Zeit gegeben. Das war im Dogliani der 1990er-Jahre nicht selbstverständlich.
Der Betrieb liegt in der Fraktion Moncucco oberhalb von Farigliano, auf rund 500–550 Metern über Meer. Das ist hoch für piemontesische Verhältnisse, und man schmeckt es: Die Weine haben eine Frische und eine würzig-salzige Note, die man weiter unten in den Langhe so nicht findet. Die acht Hektar verteilen sich auf zehn Parzellen auf Kalkmergel.
Im Rebberg wird der Einsatz von Chemie seit Beginn Schritt für Schritt zurückgefahren, gearbeitet wird im Wesentlichen mit Kupfer und Schwefel. Warum Höhenlage, Boden und Exposition im Glas überhaupt einen Unterschied machen, erklären wir in unserem Beitrag Was ist Terroir?.
Dogliani ist das Kernland des Dolcetto. Seit dem 6. Juli 2005 trägt die Herkunft den DOCG-Status, die höchste Stufe im italienischen Weinrecht. Ein Dogliani besteht zu 100% aus Dolcetto. Für die Stufe Superiore gelten strengere Regeln: mindestens 13 Vol.-% und mindestens ein Jahr Reifezeit, bevor der Wein verkauft werden darf.
Der Name Dolcetto führt übrigens in die Irre. Er spielt auf die Süsse der reifen Traube an, nicht auf den Wein. Im Glas ist Dolcetto trocken, dunkel, mit weichem Tannin und einer typischen Mandelnote im Abgang. Die Sorte reift früh, was den Winzer:innen im Piemont entgegenkommt: Sie ist im Keller, bevor der Nebbiolo überhaupt gelesen wird.
Wir führen eine breite Auswahl, vom unkomplizierten Alltagswein bis zu den beiden grossen Dogliani.
→ Alle Weine von Anna Maria Abbona im Shop
Wir waren mit unserem Land Rover Paul auf unserer zweiten Weinreise im Dogliani und haben Anna Maria auf ihrem Gut besucht. Das Anwesen liegt wunderschön, hoch über dem Tal. Wir haben uns durch die Dolcetti degustiert, allen voran den San Bernardo, und dabei zwei Weine entdeckt, die wir so nicht erwartet hatten: ihren Riesling und die Nascetta mit ihrer Rosmarin- und Salbeinote. Beide sind danach bei uns ins Sortiment gekommen.
Genau darum machen wir diese Reisen. Wir sitzen bei den Menschen am Tisch, hören zu und nehmen mit, was uns überzeugt. Den ganzen Reisetag liest du in Teil 1 unserer zweiten Weinreise.
Anna Maria kommt persönlich an unsere Autunno-Degustation im Restaurant Rebhaus an der Riehentorstrasse 11 in Basel. Sie ist eine von acht italienischen Produzent:innen, die an diesem Nachmittag ihre Weine selbst einschenken.
Die Degustation läuft von 15 bis 19 Uhr, ist öffentlich und kostenlos. Ab ca. 19.30 Uhr geht es weiter mit der Tavolata, einer langen Tafel mit 3-Gang-Menü, für die du dir vorab einen Platz sicherst. Wenn du wissen willst, wie ein Dolcetto schmeckt, der 22 Monate Zeit hatte, dann frag am besten die, die ihn gemacht hat.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Betrieb | Anna Maria Abbona, Fraktion Moncucco, Farigliano (CN), Piemonte |
| Menschen | Anna Maria Abbona und ihr Mann Franco Schellino, dazu die Söhne Federico und Lorenzo |
| Seit | 1989, als Anna Maria ihren Beruf als Grafikerin aufgab. Die Familie ist seit fünf Generationen in Farigliano |
| Rebfläche | Rund acht Hektar auf zehn Parzellen, 500–550 Meter über Meer, Kalkmergel |
| Lagen | Maioli (gepflanzt 1936) und San Bernardo, dazu weitere Parzellen rund um Farigliano |
| Rebsorten | Dolcetto, Barbera, Nebbiolo, Riesling, Nascetta |
| Bei Donati Vini | Zwei Dogliani DOCG Superiore, Langhe Dolcetto, Langhe Rosso «Cadò», Nascetta «Netta», Riesling «L'Alman» und der Bitterwein Tanacetum |
| Website | annamariabbona.it |
Wenn du Dolcetto bisher für den kleinen Bruder des Barolo gehalten hast, dann probier den Maioli. Reben von 1936, 22 Monate Zeit, und am Ende ein Wein, der nichts beweisen muss. Wer es eine Spur ernster mag, nimmt den San Bernardo.
Anna Maria ist ausserdem eine der Winzerinnen, die wir am 12. November am Abend Frauen im Weinbau vorstellen. Mehr zu uns findest du auf der Team-Seite, mehr zur Herkunft beim Consorzio Barolo Barbaresco Alba Langhe e Dogliani.
A presto e salute!
Marilen