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Ferracci ist ein winziger Familienbetrieb aus Castel San Pietro Romano, rund eine Stunde östlich von Rom. Die Brüder Michele und Massimo Ferracci bewirtschaften gut einen Hektar Reben im Lazio, machen daraus ein paar tausend Flaschen im Jahr und arbeiten im Rebberg von Hand, im Keller mit möglichst wenig Eingriff. Ihre ältesten Cesanese-Stöcke sind über 90 Jahre alt. Bei uns in Basel findest du ihren Rotwein Ave Petrus, und am Samstag, 19. September 2026, stehen sie persönlich neben ihren Flaschen.
Angefangen hat alles auf dem Land des Grossvaters. Pietro Ferracci war Berufslandwirt und bewirtschaftete acht Hektar Reben in den Hügeln östlich von Rom. Seine Enkel Michele und Massimo haben diesen Faden wieder aufgenommen, allerdings in einer viel kleineren Dimension: Sie konnten eine Parzelle erwerben, die bereits mit den alten autochthonen Sorten der Gegend bepflanzt war, und machen seither Wein daraus.
Beide haben daneben einen Hauptberuf, Michele als Ingenieur, Massimo im Finanzbereich einer Bank. Der Wein ist also nicht das Nebenprodukt eines grossen Guts, sondern das, wofür die beiden ihre Wochenenden und Ferien hergeben. Das merkt man den Flaschen an. Die Namen erzählen dieselbe Geschichte: Der Rotwein heisst Ave Petrus, eine Verbeugung vor dem Grossvater. Der Weisswein heisst Quipè, zusammengesetzt aus den Namen der Eltern.
Ferracci bewirtschaftet zwei Parzellen in zwei der bekanntesten Cesanese-Gemeinden des Lazio.
Beide Orte liegen im Kernland des Cesanese. Cesanese del Piglio wurde 2008 zur DOCG erhoben und war damit die erste DOCG des Lazio, für Olevano Romano gibt es die DOC Cesanese di Olevano Romano. Ferracci füllt den Ave Petrus trotzdem schlicht als IGT Lazio ab, wie das viele kleine Betriebe tun, die sich lieber an ihrer eigenen Arbeitsweise orientieren als an einem Reglement. Wer wissen will, warum Herkunft im Glas überhaupt schmeckbar ist, findet die Grundlagen in unserem Beitrag Was ist Terroir?.
Cesanese ist die wichtigste rote Rebsorte des Lazio und ausserhalb Italiens noch immer eine Entdeckung. Sie kommt in zwei Spielarten vor: Cesanese Comune mit grösseren Beeren und mehr Ertrag, und Cesanese di Affile, kleinbeeriger, feiner, aufwendiger im Rebberg und deshalb als die hochwertigere der beiden angesehen. Beim Ave Petrus des Jahrgangs 2022 haben Michele und Massimo 60% Cesanese di Affile mit 40% Cesanese Comune kombiniert.
Im Glas ist das kein wuchtiger Süditaliener. Der Wein zeigt Kirsche und balsamische Noten, am Gaumen ist er samtig, frisch und mit gut eingebundener Säure, bei 13.5% Alkohol. Er passt zu Geflügel und rotem Fleisch, und ehrlich gesagt auch zu einem ruhigen Abend ohne grossen Anlass.
Ferracci arbeitet biologisch und mit biodynamischen Präparaten. Kompostiert wird mit eigenen Mitteln, im Rebberg wird nur minimal behandelt, mit Kupfer, Schwefel und natürlichen Harzen. Gelesen wird von Hand, überhaupt läuft im Rebberg fast alles von Hand.
Im Keller greifen die beiden so wenig wie möglich ein, und der Ave Petrus wird ohne zugesetzte Sulfite abgefüllt. Der Schwefel weiter oben betrifft nur den Pflanzenschutz im Rebberg und landet nicht im Wein. Ganz sulfitfrei ist übrigens kein Wein, ein paar Milligramm entstehen bei jeder Gärung von selbst. Zugegeben wird bei Ferracci aber keines.
Naturwein hat den Ruf, laut zu sein, manchmal auch etwas eigenwillig. Genau das ist hier nicht der Fall, und genau deshalb steht der Wein bei uns im Sortiment.
Vor ein paar Jahren waren wir an der Vinitaly in Verona auf der Suche nach einem neuen Cesanese. Aufgefallen ist mir zuerst nicht der Wein, sondern Ely, Micheles Frau, die strahlend hinter ihrem Stand stand. Überzeugt hat mich danach der Rest: die Grösse des Betriebs, die Sorgfalt, die Tatsache, dass es in der Schweiz niemanden gab, der diese Weine führte.
Seither importieren wir den Ave Petrus direkt, ohne Zwischenhandel. Für uns ist das der Normalfall und nicht die Ausnahme: Wir kennen die Menschen hinter unseren Flaschen persönlich, besuchen sie, und wenn es geht, holen wir sie zu uns nach Basel. Mehr über uns und unser Team findest du auf der Team-Seite.
Michele kommt gemeinsam mit Ely, dazu Bruder Massimo. Die drei bringen ihr ganzes Sortiment mit, also mehr als nur den Ave Petrus, den du von uns kennst. Sie sind einer von acht italienischen Betrieben an unserer Autunno-Degustation im Restaurant Rebhaus an der Riehentorstrasse 11 in Basel.
Die Degustation läuft von 15 bis 19 Uhr, ist öffentlich und kostenlos, du kannst einfach vorbeikommen. Ab ca. 19.30 Uhr geht es weiter mit der Tavolata, einer langen Tafel mit 3-Gang-Menü. Dafür brauchst du einen Platz im Voraus, und der lohnt sich: Wer Michele, Ely und Massimo wirklich zuhören will, tut das am besten bei einem Teller Pasta statt im Gedränge am Degustationstisch.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Betrieb | Ferracci, Castel San Pietro Romano (Lazio), rund eine Stunde östlich von Rom |
| Menschen | Die Brüder Michele und Massimo Ferracci, Michele gemeinsam mit seiner Frau Ely |
| Rebfläche | Rund ein Hektar |
| Lagen | Olevano Romano (San Marco) und Piglio (Colle del Grano) |
| Rebsorten | Cesanese Comune, Cesanese di Affile, Passerina del Frusinate |
| Weine | Ave Petrus (rot, Cesanese) und Quipè (weiss, Passerina) |
| Produktion | Ave Petrus 3'500–4'000 Flaschen, Quipè 2'200–2'500 Flaschen pro Jahr |
| Arbeitsweise | Biologisch, biodynamische Präparate, Handlese, minimale Eingriffe im Keller, ohne zugesetzte Sulfite |
| Bei Donati Vini | Ave Petrus IGT Lazio Cesanese, direkt importiert |
Wenn du Cesanese noch nicht kennst, ist der Ave Petrus ein guter Einstieg. Und wenn du ihn dir von den Menschen erklären lassen willst, die ihn gemacht haben, dann sehen wir uns am 19. September im Rebhaus. Genau für diese Begegnungen machen wir das.
Mehr über Ferracci findest du beim italienischen Weinmagazin Oscar Wine und auf der Facebook-Seite der Cantina Ferracci.
A presto e salute!
Marilen