Was ist Commandaria? Der älteste Wein der Welt erklärt

von Marilen Schwald auf January 31, 2026

Commandaria ist ein bernsteinfarbener Süsswein aus Zypern und gilt als der älteste noch kontinuierlich produzierte Wein der Welt. Er wird in 14 Dörfern an den Südhängen des Troodos-Gebirges aus den autochthonen Rebsorten Xynisteri (weiss) und Mavro (rot) hergestellt. Im Dezember 2025 wurde Commandaria von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Commandaria auf einen Blick

Herkunft

Zypern, Südhänge des Troodos-Gebirges (14 Dörfer)

Rebsorten

Xynisteri (weiss) und Mavro (rot) – beide autochthon

Stil

Bernsteinfarbener Dessert-/Süsswein

Herstellung

Trauben werden bis zu 10 Tage in der Sonne getrocknet, dann mindestens 2 Jahre im Holzfass gereift

Klassifizierung

Geschützte Ursprungsbezeichnung (PDO), ausschliesslich in Zypern produziert

UNESCO-Status

Seit 10. Dezember 2025 immaterielles Kulturerbe der Menschheit

 

Ein Wein, der Geschichte schreibt

Manche Weine erzählen Geschichten. Commandaria erzählt sie nicht nur – er schreibt sie. Seine Ursprünge reichen bis etwa 2000 v. Chr. zurück. Generationen von Winzerfamilien haben ihr Wissen über die Jahrtausende weitergegeben: von der Arbeit in den Weinbergen bis zu den Ritualen rund um Ernte, Feste und gemeinsames Geniessen.

Der Name Commandaria geht auf das 12. Jahrhundert zurück. Damals errichteten die Johanniter nach dem Fall von Akkon ihre Commanderie (Kommende) in Kolossi, etwa 20 Kilometer nördlich von Limassol. Die Region rund um diese Kommende wurde zum Namensgeber des Weins, der hier produziert wurde – und bis heute produziert wird.

Eine kleine Anekdote, die zeigt, wie weit Commandarias Ruf reicht: Richard Löwenherz eroberte Zypern während des Dritten Kreuzzugs und heiratete dort Berengaria von Navarra. Bei der Hochzeit soll Commandaria ausgeschenkt worden sein – und Richard soll den Wein ausdrücklich gelobt haben.

UNESCO-Kulturerbe seit Dezember 2025

Am 10. Dezember 2025 hat das UNESCO-Komitee zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes der Menschheit in Neu-Delhi entschieden: Commandaria wird in die Repräsentative Liste aufgenommen. Damit gehört der zypriotische Süsswein zum kleinen Kreis weltweit anerkannter lebendiger Wein-Traditionen – gemeinsam mit der Qvevri-Weinherstellung aus Georgien, dem Strauchweinbau auf Pantelleria und dem Winzerfest von Vevey in der Schweiz.

Was ausgezeichnet wurde, ist nicht nur der Wein selbst, sondern eine ganze Kulturlandschaft. Denn Commandaria ist mehr als ein Getränk – er ist Ausdruck von Gemeinschaft, Handwerk und Geduld. Das Wissen wird informell weitergegeben: bei der Arbeit in den Weinbergen, im Familienkreis, an Festen und gemeinschaftlichen Anlässen.

Wie wird Commandaria hergestellt?

Die Herstellung von Commandaria folgt einem Verfahren, das sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat:

1. Späte Lese: Die Trauben werden spät und von Hand gelesen, wenn sie ihre maximale Reife erreicht haben.

2. Sonnentrocknung: Anschliessend werden die Trauben bis zu 10 Tage in der Sonne getrocknet. Dabei konzentriert sich der Zucker in den Beeren – die Grundlage für die spätere Süsse des Weins.

3. Gärung: Erst dann beginnt die Gärung – traditionell ohne Zusatz von Alkohol, was Commandaria von vielen anderen Süssweinen unterscheidet.

4. Reifung im Holzfass: Mindestens zwei Jahre reift der Wein anschliessend in Eichenfässern. Viele Erzeuger lassen ihn deutlich länger reifen – Jahre oder gar Jahrzehnte sind keine Seltenheit.

Das Ergebnis ist ein vielschichtiger, aromatischer Dessertwein mit Noten von getrockneten Früchten, Honig und Gewürzen – und einer Tiefe, die sich Glas für Glas entfaltet.

Wann und wozu trinkt man Commandaria?

Commandaria ist klassisch ein Wein für den Abschluss eines Essens – zum Dessert oder als Digestif. Er passt besonders gut zu:

  • Blauschimmelkäse und gereiften Hartkäsen
  • Schokoladen-Desserts, vor allem mit dunkler Schokolade
  • Trockenfrüchten und Nüssen
  • Klassischen mediterranen Süssspeisen wie Baklava
  • Solo, als ruhiger Schlusspunkt eines langen Abends

Servier-Tipp: Etwas gekühlt servieren (12–14 °C), in kleinen Gläsern – Commandaria ist intensiv und braucht keine grossen Mengen.

Commandaria bei Donati Vini in Basel

Bei Donati Vini führen wir Commandaria im Sortiment – verlinken kannst du direkt zur KEO Commandaria St. John AOC. Unser Spezialist für zypriotische Weine ist Bernhard Furler, Gründer von Paphos-Weine. Er kennt die Insel, die Winzer und die Geschichten dahinter aus erster Hand.

Mehr zu unserem Zypern-Sortiment findest du auf der Seite Paphos-Weine: Zyperns verborgene Schätze.

 

Häufige Fragen zu Commandaria

Ist Commandaria der älteste Wein der Welt?

Commandaria gilt nach dem Guinness-Buch der Rekorde als der älteste noch kontinuierlich produzierte, benannte Wein der Welt. Seine Ursprünge reichen rund 4'000 Jahre zurück. Andere Wein-Traditionen sind möglicherweise älter, aber Commandaria ist der älteste Wein, der seinen Namen und seine grundlegende Herstellungsweise über die Jahrtausende bewahrt hat.

Wo wird Commandaria produziert?

Ausschliesslich in 14 festgelegten Dörfern an den Südhängen des Troodos-Gebirges in Zypern. Commandaria trägt eine geschützte Ursprungsbezeichnung (PDO) – nur Wein aus dieser definierten Region darf so heissen.

Wie lange ist Commandaria haltbar?

Sehr lange. Durch den hohen Zuckergehalt und den langen Fassausbau ist Commandaria über Jahrzehnte lagerfähig. Auch nach dem Öffnen bleibt er deutlich länger frisch als Trockenweine – einige Wochen sind problemlos möglich, wenn die Flasche kühl und verschlossen aufbewahrt wird.

Wie viel Alkohol hat Commandaria?

Klassische Commandarias liegen oft bei rund 15%, wobei der natürliche Zuckergehalt für die Süsse sorgt, nicht zugesetzter Alkohol. Je nach Hersteller und Stil kann der Alkoholgehalt variieren.

Kann ich Commandaria in Basel degustieren?

Ja. In unserer Vinoteca am St. Johannsring 106 in Basel bieten wir Degustationen auf Anfrage an. Wenn du dich speziell für zypriotische Weine interessierst, melde dich am besten direkt – Bernhard nimmt sich gerne Zeit, dir die Welt der Paphos-Weine zu zeigen.


Salute – oder wie man auf Zypern sagt: Yamas!

Bernhard

ZURÜCK NACH OBEN